Hörbücher

The Woman in the Window – A. J. Finn

Titel: The Woman in the Window – was hat sie wirklich gesehen?
Autor: A. J. Finn
Verlag: Randomhouse Audio
Fassung: gekürzte Lesung
Hördauer: ca. 9h 15min
Erscheinungstermin: 19. März 2018
Sprecherin: Nina Kunzendorf

Der deutlich andere Thriller aus der Sicht einer Frau mit Angststörung

wenn alle sagen, das hast du dir nur eingebildet, glaubst du es irgendwann auch?

 

„The Woman in the Window – was hat sie wirklich gesehen?“, von A. J. Finn, durfte ich zur Rezension hören. Das Buch wird unter dem Genre Thriller geführt, aber es ist kein normaler Thriller, wie man ihn kennt: Mord passiert – es wird ermittelt – irgendwann weiß man, was passiert ist.

Denn A. J. Finn arbeitet hier anders und das macht die ganze Geschichte unglaublich interessant und zu etwas Anderem. Wir hören alles aus der Sicht von Anna Fox. Sie hatte ein einschneidendes Erlebnis mit ihrem Mann Ed und ihrer Tochter Olivia. Sie leidet unter einer Angststörung, genauer Agoraphobie, das heißt, dass sie Angst vor der Außenwelt hat, sich nicht vor die Tür traut, denn es erscheint ihr alles so ungeschützt und so weit. Somit verbringt sie 24 Stunden in der Wohnung. Soziale Kontakte führt sie nur noch über Internetforen in denen sie anderen Menschen Hilfe gibt, denn sie ist selbst Therapeutin. Da ihre Familie nicht mehr bei ihr ist, wohnt sie allein, hat nur einen Untermieter im Keller, der aber auch sein eigenes Leben lebt. So beobachtet sie die Nachbarn durch das Fenster und macht mit ihrer Kamera teilweise auch Bilder vom Geschehen. Sie kennt sich genau aus, wer wo wohnt und dann ziehen gegenüber die neuen Nachbarn ein. Es sind die Russels. Anna findet die Familienkonstellation – Vater, Mutter, Kind so schön und wird an ihr altes Leben mit Ed und ihrer Tochter erinnert, was so wohl nicht mehr zustande kommen wird. Doch es scheint wohl alles nur so toll zu sein, denn eines Tages sieht Anna durch das Fenster einen brutalen Überfall, sie will helfen, doch wie? Sie kann ja nicht aus ihrem Haus, die Panik ist zu groß und doch versucht sie es. Scheitert aber durch eine Ohnmacht und als sie wiedererwacht, stellt man sie als doch leicht verwirrt hin, denn angeblich ist gar nichts passiert.

Doch ist es wirklich so? Hat Anna zu viel getrunken und ihre Tabletten, die sie wegen ihrer Angststörung nimmt und den Depressionen, haben dann zu Halluzinationen geführt? Die Person Anna Fox ist unglaublich gut ausgearbeitet, sie hat ihre Ecken und Kanten und man versteht ihre Lage, wie sie sich fühlt, wie schwer es ihr fällt dort rauszugehen und dann auch, wie schwer es ist zu begreifen, dass sie sich wohl nur etwas eingebildet hat. Die ganzen handelnden Personen, die wir nur über die Erzählungen von Anna kennenlernen, haben ihr eigenes Leben, ihren eigenen Charakter und gerade das macht A. J. Finn sehr spannend, denn wir wissen nichts, was Anna nicht weiß und so kommen immer wieder Wendungen auf, die man so nicht vermutet hätte.
Dieses Werk ist definitiv kein normaler Thriller, man denkt am Anfang auch deutlich: sicher, dass da noch ein Mord passiert? Denn wir befassen uns deutlich mit Anna, lernen sie kennen und verstehen und dann kommt es eben zu diesem Überfall, der alles ändert und in Frage stellt.

Nina Kunzendorf ist in meinem Ohr nun wahrscheinlich für immer Anna Fox und ich fand die Sprecherin sehr gut gewählt, denn es machte Spaß ihr zuzuhören, man hat die Emotionen, die in Anna ausgelöst wurden immer deutlich gehört und konnte so sehr gut mitfühlen. Mir hat es viel Spaß gemacht ihr zuzuhören und jeden Tag ein wenig mehr über Anna zu erfahren.
Wer also mal auf etwas neues Lust hat, der sollte sich dieses Werk zulegen, denn ich fand es sehr interessant, wie auch die Meinung der Gesellschaft zu psychischen Krankheiten ausgebildet ist.

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