Rezensionen

Der König der Gaukler von Andreas Otter

Titel: Der König der Gaukler
Autor: Andreas Otter
Verlag: Books on Demand
Seitenzahl: 460 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.04.2018

Der Roman „Der König der Gaukler“ von Andreas Otter spielt in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Unsere Aufmerksamkeit wird im Laufe der Geschichte auf eine Gruppe von Gauklern gerichtet, die alle ihre eigene Geschichte haben und eben über diese in die Gruppe fanden.

Besonderes Augenmerk liegt aber auf Simon und Anna.

Er ist ein armer Junge, dessen Familie bei einem Brand ums Leben kam und er danach im Wald bei einem Köhler weiterhin Arbeit fand, der wohl mit dem Teufel im Bunde war. Simon hat schon in frühster Kindheit die Artisten gesehen und war gerade von den Feuerspuckern sehr angetan. Er wollte nach allem, was ihm passiert war eben dieses erlernen und die Menschen genauso in den Bann ziehen, wie er es damals bei sich empfunden hat.

Anna dagegen heißt eigentlich Miriam und musste mit ihrem kleinen Bruder Eli fliehen, denn sie gehören in die jüdische Gemeinschaft, die auf das Grausamste von den Christen ermordet wurde, weil sie angeblich an der aufkommenden Pest schuld waren. Sie trafen fast verhungert und erfroren auf eine Gruppe von Gauklern und Miriam hatte das Glück, dass in ihr etwas Besonderes gesehen wurde und so durften sie bleiben.

So kreuzten und verwoben sich die Wege der beiden. Nun sind wir aber eben im 14. Jahrhundert und somit reicht es noch nicht aus, dass die ersten Jahre der beiden jungen Menschen so schrecklich für sie verliefen. Sie schlagen sich durch, erleben Höhen und Tiefen und wir erleben eine Wanderung vom Süden Deutschlands bis nach Köln. Erleben Adlige, Bettler, Diebe und Gaukler.

Das Cover ist ansprechend gestaltet, man weiß sofort, dass es sich um einen historischen Roman handelt und ich finde das Cover wirklich verlockend.
Auch der Klappentext löste großes Interesse bei mir aus.
Die Beschreibungen, die genaue Recherche der jüdischen Sprache und ihrer Bräuche, die Sicht einer Gauklertruppe und die Erkenntnis, dass die Leute in schlechten Zeiten unterhalten werden wollen um ihr Leid für ein paar Minuten zu vergessen, begleitet durch das ganze Buch. Es liest sich fließend und lässt Bilder im Kopf entstehen, die einem die damalige Zeit vor Augen führt, wie Frauen geschändet wurden, wie viel Macht Adel und darüber noch die Kirche hatte, wie schwer man es hatte als Vogelfreier zu leben und wie viel man um sein Leben bangen musste.

Immer wieder war ich zwischen Emotionen hin und her gerissen. Ich freute mich mit der Gruppe, wenn immer mehr Leute zu ihren Auftritten kamen, wenn sie nicht am Hungertuch nagen mussten und sich etwas leisten konnten, wenn sie Spaß hatten, aber ich bangte auch mit ihnen, wenn sie um Freunde trauerten oder in sehr ungewisse Situationen schlitterten.
Ich habe mich mit der Zeit so in das Buch eingefunden, dass die Gruppe mir wie meine eigene kleine Familie vorkam, ich mich immer wieder freute dem Feuer am Planwagen beiwohnen zu können, wenn ich das Buch erneut aufschlug.

Ein sehr gelungenes Werk, was ich Liebhabern von historischen Romanen nur empfehlen kann.

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