Rezensionen

Nebelfäden – Carolina Greene

Titel: Nebelfäden
Autorin: Carolina Greene
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Seitenzahl: 144 Seiten
Erscheinungsdatum: 16.04.2017

Neun Kurzgeschichten zum Nachdenken über sich selbst

wer will ich eigentlich sein, wenn ich ich sein darf?

Die Sammlung von neun Kurzgeschichten von Carolina Greene mit dem Titel „Nebelfäden“ entführt und auf ganz verschiedene Arten zu der Frage „wie finde ich mich selbst? / habe ich mich verloren?“. Ich fand die Thematik sehr interessant, denn in der heutigen Zeit ist es doch sehr oft so, dass man sich anpasst, dass man sich selbst verliert. Heute gehen viele auf die sogenannte Findungsreise, begeben sich in andere Länder, um sich selbst zu finden. Oft kommt so etwas auch durch ein einschneidendes Ereignis, dass man sich selbst fragt, wer man denn eigentlich ist und wo man hinwill. Doch werden wir von der Gesellschaft nicht so geformt, dass wir uns anpassen sollen, dass wir funktionieren müssen? Schließlich muss man doch in ein gewisses Schema passen, damit man den Job bekommt, damit man einen Partner bekommt, damit man von anderen angesehen wird. Wir müssen uns in sozialen Netzwerken profilieren, doch verliert man sich dabei nicht selbst? Was sind wir bereit aufzugeben um etwas Anderes dafür zu haben?

Ich fand es sehr aufregend die Geschichten zu lesen. Es gibt Titel wie: „Seidenfein“, „Temporale Versetzung“, „Last Eve“ und „Zahlen, Daten, Fakten“. Alle Titel sind gut gewählt und laden nach dem Lesen der Kurzgeschichte ein, doch nochmal auch über den Titel nachzudenken. Es sind oft sehr überspitzte Szenen, die wir dort erleben, meist auch mit einem dystopischen Hintergrund, aber was ist, wenn es irgendwann wirklich so sein könnte und ist es in abgespeckter Variante nicht heute schon so? Bin ich so, wie die Protagonisten in der Handlung?

Am meisten hat mich die Geschichte mit dem Titel „Last Eve“ bewegt. Es geht um einen Mann, dessen depressive Frau seit einem Jahr vermisst wird, er fährt in die Gegend, wo ihr Auto gefunden wurde und sucht nach einem Schuldigen, der sie hat oder vielleicht auch umgebracht hat, doch er findet etwas anders. Ob er am Ende mit dem Verschwinden seiner Frau abschließen kann, dass solltet ihr selbst lesen. Mich hat die Geschichte wirklich berührt, da sie sehr viel Wahrheit in der Interpretation wiederspiegelte.

Die Gestaltung des Buches ist sehr interessant gemacht. Auf dem Cover sehen wir nur den weißen Hintergrund, der mit Text und dem Bild in einer Art graugrüner Farbe gestaltet ist. Nur die Überschrift, dass es sich um eine Sammlung von neun Kurzgeschichten handelt und der Name der Autorin. Die Schrift scheint immer undeutlicher zu werden, so wie das Bild dahinter. Es ist wie ein Vorhang aus Fäden, durch die zwei Hände versuchen wohl aus diesem Nebel zu kommen. Wenn man die Bedeutung versteht, dann finde ich das Cover unglaublich passend, doch im ersten Moment war zum Beispiel mein Partner leicht verwirrt, was das denn sein soll, haben die da das Negativ genommen? Ich finde man braucht für dieses doch kurze Buch so seine Zeit, denn einfach mal nur so über die Geschichten lesen und weg, passt hier einfach nicht. Die Geschichten laden zum Denken, aber vielleicht auch zum Handeln ein.

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