Puppet's Bookish Weekend

Puppet’s Bookish Weekend mit Christiane Lind Teil I

Werbung / Puppet’s Bookish Weekend / mit Christiane Lind

Herzlich Willkommen zum Interview-Samstag bei „Puppet’s Bookish Weekend“ dieses Wochenende habe ich Christiane Lind als Autorin des Wochenendes und wir haben uns entschieden, dass es wieder ein Charakterinterview geben wird.
Diesmal ist es auch wieder etwas Besonderes, denn ich darf Auguste interviewen und Auguste stammt nicht aus unserer Zeit, sondern sie lebte schon 1876, denn da startet ihre Geschichte im Buch. Also seid gespannt und ich hoffe, dass ich höflich genug bin, damit ich ihr nicht verbal auf die Füße trete.


Sehr verehrtes Fräulein Ohlendorf, ich begrüße Sie recht herzlich auf dem Interview-Sofa von „Puppet’s Bookish Weekend“! Gleich zu Beginn, sollte ich etwas für sie nicht so passend formuliertes sagen, dann verzeihen sie mir, ich bin ehrlich gesagt nicht so geübt mit Gesprächen zu Ihrer Lebzeit. Darf ich Sie denn Auguste nennen? Ich bin übrigens Nicole und würde Ihnen gern das „Du“ anbieten. Und darf es denn etwas zu Trinken oder eine Kleinigkeit zu Essen sein?
Liebe Nicole, sehr gern nehme ich das freundliche Angebot an, einander mit dem persönlichen Du anzureden. Ich würde mich über eine Tasse Kaffee und ein wenig Gebäck sehr freuen.

Dann beginne ich doch einfach mal mit meinen Fragen und du sagst, wenn es dir reicht.
Als erstes würde es den Zuschauern und mir sehr gefallen, wenn du dich kurz vorstellst. Wer du genau bist, was man so über dich wissen sollte und bestimmt wäre es für die Leser noch spannend zu wissen, wann und wo du gelebt hast, da du ja ein besonderer Gast bist, nämlich aus der Vergangenheit! Wie aufregend!
Nun, man hat mich dazu erzogen, bescheiden und sittsam wie das Veilchen im Moose zu sein, daher fällt es mir nicht leicht, über mich zu reden. Mein Name ist Auguste Ohlendorf. Geboren wurde ich im Herbst 1853 in der Hansestadt Hamburg. Zu meinem Leidwesen lebte ich das brave Dasein einer höheren Tochter, sollte singen und tanzen und zeichnen. Dabei zog es mich zu Büchern und Tagträumen. Ich dürstete nach Wissen und wünschte mir zu studieren, was mir jedoch verwehrt blieb. Bis zu meinem dreiundzwanzigsten Lebensjahr sah es nicht so aus, als ob es je etwas Besonderes über mich zu erzählen geben würde. Dann jedoch reiste ich nach Australien und erlebte ein Abenteuer, von dem die meisten Menschen meiner Zeit nicht einmal träumen konnten.

Dann erfährt man ja im Buch ein wenig über deine Familie. Darum weiß ich, dass du eine Schwester hast. Wie ist dein Verhältnis zu deinen Eltern und deiner Schwester? Gibt es da häufiger Missverständnisse oder seid ihr so etwas wie eine „himmlische Vorzeigefamilie“?
Mein Vater ist ein erfolgreicher Hamburger Kaufmann, meine Mutter führt unser Haus mit Eleganz. Meine Eltern haben mich nie verstanden, denn für sie zählt nur der äußere Schein. Meine Mutter hat sich immer gewünscht, dass ich so bin wie meine kleine Schwester: hübsch, elegant und mit Luft im Kopf. Sophie versteht es, geziert zu parlieren und liebreizend zu lächeln. So hat sie immer ihren Willen durchsetzen können. Unser Vater hat ihr alles erlaubt, selbst den Mann zu heiraten, den ich für meine große Liebe hielt.

Und du hast diese Reise ja mit deinem Onkel Georg angetreten. Wie ist dein Onkel so und wie ist euer Verhältnis? Ich würde es mir beispielsweise komisch vorstellen solch eine lange Reise mit einem meiner beiden Onkel anzutreten, aber einfach, weil ich doch eher wenig Kontakt mit ihnen habe. Wie ist das bei dir?
Onkel Georg ist der jüngere Bruder meines Vaters, den ich immer bewundert habe, weil er die Welt bereist hat, während mein Vater nur darauf aus ist, sein Vermögen zu mehren. Vor meiner Reise dachte ich, dass mein Onkel ein weltgewandter Herr und kluger Kopf ist. Heute denke ich anders über ihn, aber warum, das kann ich hier nicht verraten.

Was war für dich die große Faszination nach Australien zu reisen und eine Expedition zu begleiten? Ich kann mir das schon spannend vorstellen, aber wenn ich da an die vielen giftigen Tiere denke. Ich würde wohl schon in Ohnmacht fallen, wenn mir eine riesige Spinne oder Schlange über den Weg läuft oder eher kriecht. Da hätte ich glaube viel zu viel Angst gehabt um solch ein Abenteuer anzutreten.
Nun, wenn ich ehrlich bin, muss ich eingestehen, dass ich mir nicht allzu viele Gedanken über die Gefahren Australiens gemacht habe. Man kann guten Gewissens sagen, dass ich mich etwas überstürzt auf die Reise begeben habe. Gewiss habe ich mir immer gewünscht, etwas zu erleben, aber niemals hätte ich gedacht, dass mein Schicksal mich ans andere Ende der Welt führt.

Wäre denn von deiner Familie schon ein bestimmtes Ziel für deine Zukunft festgelegt gewesen, wenn du nicht nach Australien gegangen wärst?
Meine Eltern haben erwartet, dass ich eine angemessene Partie mache, einen Kaufmann heirate und als Gattin und Mutter in Hamburg lebe, so wie meine Mutter. Ich bin mir sicher, dass mein Vater bereits einen Ehemann für mich ausgewählt hatte.

Was hast du dir denn von deiner Zukunft erhofft, was wolltest du gern werden oder schon immer mal erleben? Die Idee mit Australien kam doch sicher sehr spontan, oder?
Ich habe mir stets gewünscht, mehr von der Welt zu sehen als meine Heimatstadt Hamburg. Jedes Mal, wenn mein Onkel zu Besuch kam, hing ich fasziniert an seinen Lippen und wünschte mir, ihn begleiten zu dürfen. Wie hätte ich ahnen können, dass meine Träume sich jemals erfüllen und welche Abenteuer sie mit sich brachten.

Dann war die Schifffahrt nun wirklich sehr lange. Du bist von Deutschland nach Australien gereist. Was hast du in der Zeit gemacht? Konntest du hin und wieder an Land gehen?
Leider hat Onkel Georg mir nicht erlaubt, an Land zu gehen. Während unserer gemeinsamen Reise musste ich erkennen, dass er genauso konservativ ist wie mein Vater. Onkel Georg hielt es für nicht schicklich, wenn ich die Inseln besuchte, wo wir Proviant aufnahmen. Er fürchtete, dass sie Schwarzen mich rauben oder mir sonst ein Leid antun könnten. Dabei sind es die Weißen, die ihnen gar Schlimmes zufügen.

Wie war dein erster Eindruck von Australien? War es so, wie du es dir vorgestellt hast?
Oh nein, ich habe mir Queensland vollkommen anders gedacht. Ich erwartete ein karges und hartes Land, nicht die grünen Wälder und wunderschönen Blumen, die ich dort entdeckte. Jeden Tag entdecke ich ein neues Faszinosum in diesem wilden Land, das mir zur Heimat wurde.

Wenn du aus heutiger Sicht nochmal alles neu entscheiden könntest. Wärst du dann auch auf die Expedition nach Australien gegangen?
Ja, immer wieder. Auch wenn ich schmerzliche Geschehnisse durchleiden musste, so bin ich an der Reise gewachsen und habe Menschen kennengelernt, die ich mit großer Demut meine Freunde nenne.

Nun kommen wir zu einer kleinen Runde Assoziation! Ich nenne dir ein Wort und du sagst einfach das erste, was dir einfällt, okay?

Heimat
Marburg, Queensland

Reise
Abenteuer

Bücher
Lebensretter

Tee
Lagerfeuer

Damensitz
Schicklich, aber unbequem

Australien
Freunde

Spinne
Riesig

Schlange
Tödlich

Schifffahrt
Langwierig

Liebe
Joseph

Geschwister
Die Jüngste war die Allerschönste

Familie
Fremde

Kinder
Liebe

Abenteuer
Australien

Männer
Arroganz

Sonnenaufgang
Himmel

Zukunft
Kampf

So, nun habe ich dir aber genug Fragen gestellt. Zwei Fragen folgen aber noch, die muss jeder beantworten, wenn er bei mir auf dem Sofa sitzt, danach darfst du dich entspannen.
Die erste Frage ist, ob du deiner Autorin noch etwas sagen möchtest, wozu du sonst vielleicht keine Gelegenheit hast oder hattest.
Ich möchte ihr danken, dass sie meine Geschichte erzählt hat, muss sie allerdings korrigieren. Niemals habe ich derart naiv für Felix Burchhardt geschwärmt, wie sie es in literarischer Überhöhung dargestellt hat.

Obwohl meine Autorin mir viel Übles zugemutet hat, hat sie mich auf eine Reise gesandt, nach der ich klüger und reifer geworden bin. Dank ihr habe ich ein Ziel in meinem Leben. Und ich habe einen Mann gefunden, mit dem ich alles teilen kann.

Und die letzte Frage ist, ob du den Lesern noch etwas mit auf den Weg geben möchtest.
Ich möchte allen danken, die meine Abenteuer begleitet haben und darüber geschrieben haben. Jede Nachricht erfreut mich – und die Autorin.

Dann danke ich dir recht herzlich, dass du dich meinen Fragen gestellt hast und wünsche dir eine angenehme Reise wo auch immer du als nächstes hinreist und hoffe, dass wir mal wieder etwas von dir hören werden!
Ich danke Dir von Herzen für die Gelegenheit, dir Rede und Antwort zu stehen.


Und schon ist es wieder vorbei und die liebe Auguste auf ihrem Weg nach Australien.
Kennt ihr das: Ihr habt durch eine Aktion oder eine Begebenheit in eurem Leben mit einem Buch zu tun, was ihr vielleicht sonst gar nicht so für voll genommen hättet und das lest ihr es und seid ein bisschen verliebt?
So ging es mir mit der Geschichte um Auguste! Aber ihr werdet ja morgen noch mehr erfahren, wenn ihr einen Überblick über die vielen tollen Bücher der Autorin bekommt!
Wir lesen uns!

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