Autoreninterviews Puppet's Bookish Weekend

Puppet’s Bookish Weekend mit Tina Skupin Teil I

Werbung / Puppet’s Bookish Weekend / mit Tina Skupin

Hallo meine lieben Lesenden da draußen!
Gestern gab es schon Textschnipsel und nun bekommt ihr ein Interview mit der Autorin. So erfahrt ihr nicht nur etwas über ihre Bücher, sondern auch darüber, wie sie zum Schreiben kam oder wie schlimm es die Blotbunnys mit ihr treiben!
Viel Spaß!


Liebe Tina, herzlich willkommen bei mir auf dem Interview-Sofa! Ich freue mich sehr, dass du hier bist und wir ein wenig über dich und deine Bücher sprechen können.

Magst du dich als Erstes kurz vorstellen? Ist Tina Skupin ein Pseudonym und was sollte man über dich sonst so wissen?
Vielen Dank, dass ich hier sein darf. Meine Name, in Büchern und in Echt, ist Tina Skupin. Ich bin die Autorin der Valkyrie-Reihe und der Supermamis, diverser Kurzgeschichten und einem halben Dutzend weiterer Projekte in unterschiedlichen Fertigungsstufen, die mir mehr oder weniger dezent auf die Nerven gehen, ich solle mich ihnen doch endlich mal zuwenden. Ich schreibe hauptsächlich Urban Fantasy, lasse mich auch gern zu anderen Genres überreden.

Wenn ich nicht schreibe, fechte ich, höre Metal, oder baue Legos mit meiner Tochter und meinem Partner. Wir wohnen seit zehn Jahren in Schweden, was den Vorteil hat, dass die Walkürengeschichten sich quasi von selbst schreiben und den Nachteil, dass der Winter nie endet.

Wie bist du eigentlich Autorin geworden? Gibt es jemand in deiner Familie oder Bekanntschaft, der auch schreibt und dich inspiriert hat?
Ich habe eigentlich immer geschrieben, immer Geschichten erzählt. Die wurden nur irgendwann größer, und irgendwann hab ich angefangen, sie aufzuschreiben.

Wer ist denn dein großes Vorbild? Egal ob jetzt als Autor oder im Allgemeinen?
Mein Vorbild ist Seanan McGuire, die es schafft, gleichzeitig unglaublich gut und unglaublich schnell zu schreiben. Seanan war die erste, bei der ich diverse (homosexuelle und trans) Charaktere erlebt hab, bei denen ihre Identität nicht problematisiert wurde. Sie waren einfach da und durften Abenteuer erleben. Das ist heut selten, damals unerhört und hat mein Schreiben tief geprägt.

Dazu ist sie einfach eine wunderbare Person, die immer großzügig ihre Ideen und ihr Wissen teilt.

Man findet deinen Namen in vielen Sammlungen von Kurzgeschichten. Was macht es für dich so interessant Kurzgeschichten zu schreiben und gibt es einen Verlag in dessen Anthologie du gern mal eine Kurzgeschichte veröffentlichen möchtest?
Ich habe am Anfang an sehr vielen Ausschreibungen teilgenommen, und das hat mir für mein Schreiben viel gebracht. Bei einer Kurzgeschichte muss jeder Satz die Story voranbringen, jedes Wort muss sitzen. Gleichzeitig ist es die erste Anerkennung, die man von „Profis“ bekommt – wird deine Geschichte abgelehnt, kann das andere Gründe haben. Umgekehrt, wenn deine Geschichte angenommen wird, hat sie eine bestimmte Qualität.

Für mich persönlich gibt es noch einen weiteren Grund für Kurzgeschichten: Ich habe stets viel zu viele Storyideen, kann nur einen Bruchteil davon schreiben. Kurzgeschichten kann man mal dazwischenschieben (abgesehen davon, dass alle meine Plotbunnies gerne 5 bändige Epen werden möchten, aber das ist ein anderes Problem).

Mein Traum ist es, mal bei Tor zu veröffentlichen.

Dann hast du ja aber schon einige Bücher veröffentlicht! Wie zum Beispiel deine „Vakyrie“. Dort ist auch schon ein zweiter Teil erschienen. Könntest du für die Leser kurz zusammenfassen, was auf sie zukommt und wird es noch mehr Teile geben?
Valkyrie ist eine klassische Urban Fantasy im Stil der Dresden Files mit viel Action und trockenem Humor. Hauptcharakter ist die Walküre Frida, die nach einem Unfall vom Hof Odins ins moderne Stockholm gerät. Aktuell gibt es zwei Bände, Band drei liegt bei den Testlesern. Ob es noch weitere Bände gibt? Ideen habe ich definitiv, aber ob und in welchem Umfang hängt davon ab, wie sich alles entwickelt. (an dieser Stelle schamlose Eigenwerbung: kauft, Leute, kauft Walküren, ich will bis Ragnarök kommen!)

Wie kamst du auf die Idee zu dieser Geschichte? Ich habe gesehen, dass gerade Fantasy und auch Walküren und ähnliches immer wieder auftauchen. Hast du da ein spezielles Interesse dafür?
Ich liebe Mythologie, und ich liebe Urban Fantasy, die ja im Grunde die logische Weiterentwicklung der alten Sagen und Mythen sind. Heute leben die Trolle halt in unterirdischen Fesen mitten in der Stadt, und wenn man mal in Stockholm war, weiß man, dass es davon einfach eine Menge gibt.

Als ich ausgewandert bin, hab ich eine Menge Bücher zu meiner neuen Wahlheimat gelesen. Und die Mythen, die gehören einfach dazu, die zeigen, wie die Leute ticken, wie sie dahin gekommen sind, wo sie heute sind. Plus, es gehört zu meinem Alltag. Also keine kämpfenden Walküren, aber ich wohne im nördlichen Teil von Stockholm, und der nächste Runenstein ist neunhundert Meter von meiner Wohnung entfernt.

Dann gibt es da ein ganz anderes Buch. „EventuElche“. Dort erzählst du in Kolumnen, wie es in Schweden zu ist, wenn man auswandert. Ich selbst war noch nie in Schweden, bin aber von Bildern und alle sehr begeistert von den nordischen Ländern und könnte mir dort einen Urlaub sehr gut vorstellen. Wie war es für dich auszuwandern und wie kam es dann dazu, dass du dieses Buch veröffentlicht hast?
Das ist im Grund für mich die Fortsetzung zu deiner letzten Frage. Als ich ausgewandert bin, hab ich angefangen, Kolumnen zu schreiben, um den Leute zuhause zu erklären, wie es ist, woanders hinzugehen. Jemand, der nie woanders war, neigt dazu, das Zuhause als „das Normale“ anzusehen, und sobald man woanders ist, sieht man, wie Leute die Dinge anders machen. Gleichzeitig war es für mich eine Art, mein Heimweh zu verarbeiten, bis ich etwas besseres gefunden hab. Um nochmal zu Valkyrie zurückzukommen: ich bin nicht Frida. Aber ein Stück von mir steckt in allen meinen Charakteren, und das Heimweh, und die Verlorenheit und das schiere „was zur Hölle?“, das kommt direkt von mir.

Dann gibt es noch ein Buch von dir, was scheinbar auch mit sehr viel Humor versehen ist. „Die Supermamas“. Bist du selbst eine Supermama? Wie kamst du zu dieser Geschichte?
Ich glaube, jede Mutter, die sich voll auf das Abenteuer Kind einlässt, ist eine Supermama (genau wie die Väter. Mann muss nicht die Mama sein, um eine Supermama zu sein).

Zu der konkreten Geschichte: in meiner eigenen Schwangerschaft hatte ich eine Schwangerschaftsvergiftung mit HELLP-Syndrom, und mein Kind musste in der 29. Woche mit Kaiserschnitt entbunden werden. Um danach meinen Blutdruck wieder runterzubringen, bekam ich schwere Medikamente, und zusammen mit dem Stress und der körperlichen Strapaze hatte ich zeitweise buchstäblich das Gefühl, zu fliegen. Nachdem alles vorbei war und meine Tochter und ich völlig gesund entlassen wurden, musste ich das irgendwie verarbeiten. Ich wusste, dass es entweder ein Drama werden würde, oder eine Komödie, und ich hab das geschrieben, was ich selbst in der Zeit am nötigsten gebraucht habe: die Eltern als Superhelden, die Heldentaten begehen, mit dem Hauptcharakter, die nach der Geburt ihres Kindes fliegen lernt.

In unserer Gesellschaft werden Eltern oft entweder als Luschen dargestellt, oder als diese Überwesen, die keinerlei Probleme haben, und in beidem finde ich mich nicht wieder. Ich war immer noch zutiefst Mensch, mit allen Problemen und Ängsten. Und Menschen brauchen Geschichten, in denen sie sich finden. Das gab es kaum, also hab ich es geschrieben.

Gibt es eigentlich ein spezielles Genre, welches du gern schreiben möchtest? Dem du dich gern zuwenden möchtest?
Urban Fantasy ist mein Genre, und darin fühle ich mich am wohlsten. Ich mache gern Ausflüge in andere Bereiche der Fantastik: Science Fiction, Steampunk. Aber zuletzt kehre ich immer wieder zur UF zurück.

Nun hast du ja auch in der „Märchenspinnerei“-Reihe „Hollerbrunn“ veröffentlicht. Zum einen würde ich gern wissen, worum geht es denn in deiner Geschichte? Und zum anderen, kannst du mir verraten, was es mit der „Märchenspinnerei“ auf sich hat?
Die Märchenspinnerei ist ein Kollektiv von Fantasyautorinnen, die alte Märchen in ein neues Gewand kleidet. Dabei werden die Themen der Märchen ebenfalls in die heutige Zeit übertragen. Hollerbrunn beispielsweise ist eine Neuinterpretation von Frau Holle, und es geht um Geschwisterrivalität, Patchworkfamilien und darum, dass, je nach Umständen, und je nach Sichtweise jeder die gute oder die böse Marie werden kann.

Wenn ich nun richtig informiert bin, dann hast du schon im Selfpublish veröffentlicht, aber eben, wie deine „Vakyrie“, auch in einem Verlag. Hast du einen klaren Favoriten? Also ziehst du es dem Selfpublishing vor mit einem Verlag zusammen zuarbeiten oder umgekehrt? Sicher hat beides seine Vorteile und Nachteile, aber was ist für dich selbst wichtig?
Beides hat seine Vor- und Nachteile. Beim Selfpublishing habe ich die absolute Kontrolle über alles, Preise, Cover, etc. Dafür habe ich auch die Arbeit damit, und sowas wie Cover ist eine Kunst, von der ich wenig Arbeit habe. Vom Verkaufen fangen wir erst gar nicht an. Ich kann mich selbst absolut nicht verkaufen!

Für mich ist Selfpublishing und Verlag kein Gegensatz. Es gibt Projekte, die sich als Selfpublishing – Projekt besser machen, und es gibt Projekte, die mit Verlag besser laufen. Und ein guter Verlag, der wirklich an seinen Büchern interessiert ist, ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Und da hab ich mit OhneOhren wirklich wahnsinnig Glück gehabt.

Wie wohl fühlst du dich selbst auf dem Buchmarkt? Hin und wieder habe ich in der letzten Zeit Unmut von Autoren mitbekommen, die im Bereich Phantastik schreiben und sich eher abseits der aktuellen „Romantasywelle“ befinden. Wie ergeht es dir? Hast du nette Kollegen? Hast du einen regen Austausch mit Lesern oder würdest du dir hier und da etwas Anderes wünschen?
Als Auswanderin bewege ich mich immer zwischen dem englischen und dem deutschen Buchmarkt, und, Geheimnis: aktuell schreibe ich an einer englischsprachigen Urban Fantasy. Ich beziehe mich mal nur auf den deutschen Markt: ich liebe unsere Fantasycommunity. Ob die Märchenspinnerei oder der Tintenzirkel, wir helfen einander, wir weisen uns auf Chancen hin, und halten uns auch in privaten Problemen bei. Und da gibt es auch keine Unterscheidung zwischen High Fantasy, Urban oder Romantasy, Autor ist Autor.

Was derzeit eher schwierig ist, ist die… Wir hatten die Insolvenz von KNV, dann hat Libri viele Bücher aus ihrem Sortiment genommen, vor allem von Kleinverlagen. Das heißt, die Bücher sind quasi unsichtbar, können nicht mehr im Buchhandel bestellt werden, und das hat verheerende Folgen. Ich glaube, es sind noch nie so viele Kleinverlage eingegangen wie dieses Jahr. Ich werde dieses Jahr meinen Weihnachtseinkäufe für die Bücherwürmer in meiner Familie zu den Kleinverlagen verlagern, nicht nur, weil es da Schätze gibt und echt was zu entdecken, sondern auch, weil die Kleinverlage wirklich am Rand operieren, und das Weihnachtsgeschäft für sie die letzte Hoffnung sind.

Wenn ich dir einen Urlaub spendieren könnte, wo würdest du hinfliegen und was würdest du dort machen?
Nach Prag, Recherche für eine Urban Fantasy um den Golem von Prag und die Engel und die steinernen Heiligen auf der Karlsbrücke und…

Gibt es für dich einen perfekten Schreibplatz und vielleicht sogar einen perfekten Schreibtag? Oder ist es bei dir eher so, dass du froh bist, wenn du mal die Zeit hast zum Schreiben?
Mein perfekter Schreibplatz ist in einem kleinen Cafe in der Mitte von Södermalm, mit Blick aufs Wasser. Die Leute hinter mir reden Schwedisch, was ich ausblenden kann. Dazu einen Caramell Latte, besser geht es nicht!

Gibt es bei dir schon neue Projekte? Hast du neue Ideen, die du gerade umsetzt oder etwas, was du unbedingt gern mal machen möchtest?
Aktuell schreibe ich im Nanowrimo wie gesagt eine englische Urban Fantasy, basierend auf den Legenden von Mecklenburg Vorpommern und mit Hauptschauplatz Berlin. Das ist erst mal das aktuelle. Und sonst – mal schauen, was 2020 bringt. Ich würde gern eine Serie schreiben, aber das wäre etwas, was ich nur mit Verlag machen wollen würde.

So, das waren nun auch schon einige Fragen. Dann würde ich mit dir gern noch das Assoziationsspiel spielen. Ich nenne dir ein Wort und du sagst einfach, was dir als Erstes in den Sinn kommt.

Freundschaft
Kaffee

Schreiben
Das beste!

Lesen
Auch das Beste!

Krieg
war mal was in der fernen Vergangenheit, ist wieder näher, als mir lieb ist.

Regen
mag ich nicht

Sonnenuntergang
Strand

Stadt
Urban Fantasy

Meer
Urban Fantasy mit Hafenstadt

Wochenende
Zeit für die Familie

Urlaub
schlafen

Bauernhof
Ich will Kühe

Regeln
muss man kennen, und dann kann man sie brechen

Freiheit
Wind

So, dass soll glaube ich reichen, nicht das ich dich am Ende noch ewig bei mir aufhalte.

Magst du denn den Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?
Ihr Leser seid das Wichtigste an Büchern. Ohne euch gäbe es das alles nicht! Danke an jeden, der sich auf meine Schreibe einlässt und meine Bücher liest, rezensiert, empfiehlt oder einfach nur gute Gedanken sendet!


Dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir, dass du mich besucht hast und freue mich schon auf den morgigen Tag, an dem ich deine Bücher nochmal etwas genauer vorstellen kann! Ich hoffe, dass wir uns bald wieder hören!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.